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Copilot, Flex Routing und Datenverarbeitung außerhalb der EU

Microsoft ändert ab dem 17. April die Art und Weise, wie Copilot bei Lastspitzen mit Daten umgeht. Dabei kommt sogenanntes Flex Routing zum Einsatz. Das bedeutet: In bestimmten Situationen kann Copilot vorübergehend Rechenkapazitäten außerhalb der EU nutzen, sofern diese Funktion nicht von Ihrer Organisation ausdrücklich deaktiviert wird.

Ein Beitrag von
Marloes Brilman

Das ist kein Grund zur Sorge. Es ist aber ein guter Anlass, bewusst hinzuschauen. Nicht weil die Lösung unsicher wäre, sondern weil Kontrolle und klare Entscheidungen beim Einsatz von KI immer wichtiger werden. Gerade jetzt, da Copilot in vielen Organisationen zunehmend Teil des Arbeitsalltags ist.

Was ist Flex Routing und was ändert sich?

Flex Routing ist ein Mechanismus, mit dem Microsoft bei hoher Auslastung zusätzliche Kapazitäten außerhalb der EU nutzen kann, um Leistung und Verfügbarkeit sicherzustellen. Die Daten bleiben dabei während der Übertragung und Speicherung verschlüsselt. An den Sicherheitsstandards ändert sich also nichts.

Relevant ist diese Änderung vor allem deshalb, weil sie für manche Organisationen eine neue Abwägung erforderlich macht. Wer bewusst auf Datenverarbeitung innerhalb der EU setzt, sollte prüfen, ob diese Voreinstellung zu den eigenen Richtlinien, Verträgen und Compliance-Vorgaben passt. Das gilt insbesondere für Branchen, in denen der Datenstandort ausdrücklich geregelt ist.

Microsoft beschreibt die Funktionsweise und die verfügbaren Optionen auf der offiziellen Dokumentationsseite zu Copilot Flex Routing:

https://learn.microsoft.com/de...

Es empfiehlt sich, diese Informationen in die eigene Bewertung und Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Für wen ist das besonders relevant?

Die Änderung ist vor allem für Organisationen relevant, die Datenlokation, Compliance und Governance aktiv steuern, zum Beispiel:

  • Behörden und staatsnahe Organisationen
  • Einrichtungen im Gesundheitswesen und im Bildungsbereich
  • Finanzdienstleister
  • Organisationen mit ISO-, NEN- oder branchenspezifischen Compliance-Anforderungen
  • Unternehmen, die mit sensiblen oder geschäftskritischen Informationen arbeiten
  • Organisationen mit klaren Kundenvereinbarungen zur Datenspeicherung und Datenverarbeitung

Aber auch ohne ausdrückliche regulatorische Verpflichtung kann das Thema relevant sein. Etwa aus Sicht des Risikomanagements, der Reputation oder interner Richtlinien für den Einsatz von KI.

Warum das wichtig ist

Viele Organisationen entscheiden sich ganz bewusst für eine Datenverarbeitung innerhalb der EU. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben, interner Standards oder klarer Kundenerwartungen. In solchen Fällen sollte eine technische Standardeinstellung nicht unbeachtet bleiben.

Es geht dabei nicht um Misstrauen gegenüber Technologie. Es geht um Verantwortlichkeit. Darum, die vorhandenen Optionen zu kennen, die Auswirkungen zu verstehen und nachvollziehbar festzuhalten, warum eine bestimmte Entscheidung getroffen wurde.

Die Entscheidung liegt bei Ihnen

Microsoft bietet die Möglichkeit, Flex Routing zu deaktivieren. In diesem Fall bleibt die Verarbeitung durch Copilot auch bei Lastspitzen innerhalb der EU. Die Einstellung kann direkt im Microsoft 365 Admin Center verwaltet werden.

Technisch ist das schnell umgesetzt. Inhaltlich ist die Entscheidung jedoch relevant. Wer Flex Routing deaktiviert, muss unter Umständen Einschränkungen bei Performance und Verfügbarkeit in Spitzenzeiten in Kauf nehmen. Wer die Funktion aktiviert lässt, sollte prüfen, ob dies mit den eigenen Compliance-Anforderungen vereinbar ist.

Es gibt hier kein allgemeingültiges Richtig oder Falsch. Entscheidend ist, dass die gewählte Einstellung zur eigenen Organisation passt.

Was sollten IT-Verantwortliche jetzt konkret prüfen?

Jetzt ist ein sinnvoller Zeitpunkt, gemeinsam mit Security, Datenschutz und Compliance einige zentrale Fragen zu klären:

  • Ist eine Verarbeitung außerhalb der EU mit unseren aktuellen Richtlinien und DPIAs vereinbar?
  • Was regeln Verträge und Kundenvereinbarungen zum Datenstandort und zu KI-Diensten?
  • Ist Copilot ausdrücklich in unser KI- und Datenrichtlinienwerk aufgenommen?
  • Wie gewichten wir Performance und Flexibilität im Verhältnis zu Compliance-Anforderungen?
  • Ist klar dokumentiert, wer diese Entscheidung trifft und wer für Pflege und regelmäßige Überprüfung verantwortlich ist?
  • Sind alle relevanten Stakeholder über diese Einstellung und ihre Auswirkungen informiert?

Wichtig ist nicht nur, welche Entscheidung getroffen wird. Wichtig ist vor allem, dass sie bewusst getroffen und sauber dokumentiert wird.

Unsere Sicht

KI entfaltet ihren vollen Mehrwert dann, wenn Technologie, Richtlinien und Vertrauen zusammenpassen. Copilot kann Produktivität und Arbeitsqualität deutlich verbessern, wenn die Konfiguration zum Compliance-Rahmen und zur Risikobereitschaft der jeweiligen Organisation passt.

Gute Governance ist dabei kein Hindernis, sondern ein Vorteil. Sie schafft Klarheit, Sicherheit und Vertrauen. Für die IT, für die Fachbereiche und für alle, die mit Copilot arbeiten.

Fazit

Kein Anlass für Panik. Aber ein sinnvoller Moment, aktiv zu werden. Prüfen Sie Ihre Copilot-Einstellungen, stimmen Sie sich mit Security und Compliance ab und dokumentieren Sie Ihre Entscheidung nachvollziehbar. So behalten Sie die Kontrolle über Ihre Daten und nutzen die Vorteile von KI innerhalb der Rahmenbedingungen, die für Ihre Organisation gelten.

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